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Bildungsserver > Startportal.  > Unterricht.  > Medienbildung.  > Blended Learning

Vom E-Learning bis zum Blended Learning

E-Learning, Distance Learning, Online Lernen, Blended Learning … seit der Computer und das Internet wichtiger Bestand teil unseres Alltags- und Berufslebens geworden sind, werden diese "Schlagwörter" in Wirtschaft, Hochschule und Schule immer häufiger mit zunehmender Bedeutung für die Fort- und Weiterbildung genannt.

Elemente des E-Learning

Das E in E-Learning steht für durch den Computer elektronisch unterstütztes Lernen und für ein Bündel von Informationstools (CBT, WBT) und Kommunikationstools (E-Mail, Chat, Diskussionsforum):

  • CBT steht für Computer Based Training. Lerninhalte werden lokal meist von CD-ROM über den Bildschirm an den Lernenden übermittelt. Vorteil ist zur Zeit noch der speicherintensive Einsatz qualitativ hochwertiger Videos.
  • WBT steht für Web Based Training. Lerninhalte werden über das Internet vermittelt. Vorteile sind die leichte Aktualisierbarkeit der Lerninhalte und die einfache Kombination mit Kommunikationstools.
  • E-Mail steht für elektronische Post und ist das mittlerweile sehr weit verbreitete elektronische Äqivalent zur Papierpost. Vorteil ist die kurze Übermittlungsdauer und die Möglichkeit der Datenübermittlung.
  • Chat kommt vom englischen "chatten" für "Plaudern" und ist der gleichzeitige interaktive Austausch textbasierter Nachrichten zwischen zwei oder mehr Teilnehmern. Vorteil ist die kurzfristige Abstimmung und Koordination zwischen den Teilnehmern.
  • Diskussionsforum ist das elektronische Äquivalent zu einer Diskussion in einem größeren Teilnehmerkreis. Jeder Teilnehmer kann textbasierte Beiträge ins Forum stellen, auf die andere Teilnehmer durch Stellungnahmen, Kommentare oder neue Beiträge reagieren können.

Lifelong Learning

Der tägliche Wandel in unserer heutige Informations- und Wissensgesellschaft fordert von jedem ein lebenslanges Lernen (3L, Lifelong Learning). E-Learning bietet die Möglichkeit, diesem Anspruch gerecht zu werden und sollte deshalb im Bereich Schule, Hochschule und in der Fort- und Weiterbildung der Lehrenden immer mehr integriert werden.

Blended Learning

Nach der ersten Euphorie für E-Learning in den 1990er Jahren - aufgrund der erwarteten Möglichkeiten des zeit- und ortsunabhängigen Lernens - sieht man heute die größten Chancen im sogenannten Blended Learning. Der englische Begriff "blended" steht für vermischt bzw. "vermengt". Gemeint ist die synergetische Verzahnung von E-Learning mit dem traditionellen Präsenz-Lernen.

Heute ist Blended Learning auf dem Weg ein wichtiger Bestandteil unseres Lehrens und Lernens zu werden, weil es ein selbstständiges, selbstgesteuertes, weltweites, ortsunabhänges und kreatives Lernen ermöglicht - es ist eine neue Form des Lehrens und Lernens.

Bitte beachten Sie auch unser aktuelles Angebot zum Thema eTwinning!

eTwinning ist ein besonders vielfältiges Blended-Learning-Angebot. Die Plattform ermöglicht Schulen in Europa, sich auf einfache Weise virtuell miteinander zu vernetzen und bietet Lehrerinnen und Lehrern neben projektbezogenen  Unterrichtsmaterialien auch Beratung und Fortbildungen an, unter anderem auch in Form von Blended-Learning in den Learning-Labs und eTwinning-Gruppen. 

Mittlerweile sind rund 134.000 europäische KollegInnen bei eTwinning registriert (Stand: Mai 2011), in Rheinland-Pfalz wurden seit der "Geburt" von eTwinning im Jahr 2005 schon 200, teilweise auch preisgekrönte eTwinning-Projekte durchgeführt.  Unterstützt werden die Kolleginnen und Kollegen in Rheinland-Pfalz durch ein kompetentes Moderatorenteam, das regelmäßig Einführungen und Workshops zur Arbeit mit einzelnen Blended-Learning-Werkzeugen (Blog, WIKI, Forum, Videokonferenz etc.) anbietet und bei der Umsetzung von Projekten berät.

Links zu eTwinning-Angeboten speziell in Rheinland-Pfalz:

externer LinkeTwinning auf dem Bildungsserver 

externer Link Fortbildungsangebot 

externer LinkBlended-Learning-Einführungen in eTwinning (in Arbeit)

externer Linkallgemeine Links zu eTwinning  

 

Neues Arbeitspapier zu "E-Learning in der Schule" der Gemischten Kommission der KMK

Das externer LinkArbeitspapier der Gemischten Kommission Schulfunk/Schulfernsehen/KMK/ ARD/ZDF/DRadio (GEKO) »E-Learning in der Schule« zeigt die neuen Möglichkeiten des E-Learning an Schulen auf und beschreibt Wege der Umsetzung. Es ergänzt damit die KMK-Erklärungen »Medienpädagogik in der Schule« (1995) und »Medienpädagogik in der Lehrerbildung« (1998). Es wendet sich an Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiterinnen und Schulleiter, an die Schulverwaltungen, an die Lehreraus- und Fortbildung, an die kommunalen Medienzentren sowie an die Bildungspolitik und die Forschung.

Angebote des E-Learning/Blended Learning in Rheinland-Pfalz

externer LinkLandesmoodle

externer LinkBlended Learning Weiterbildungsangebote des Pädagogischen Landesinstituts

externer LinkInformatische Bildung / eTutoren

externer LinkVirtueller Campus Rheinland-Pfalz / Universität Kaiserslautern

externer LinkEuropäische Online-Fortbildungen in den eTwinning Learning Labs

externer LinkStudienseminar für das Lehramt an Gymnasien Koblenz

 

Aktuelle Fortbildungsangebote zum Online-Lernen

Die Veranstaltungsliste wird anhand einer voreingestellten Suche automatisch generiert. Weitergehende Recherchen sind über Fortbildung Online möglich.
  • 21.05.2013
    132870501
    moodle im Unterrichtseinsatz in der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte
    Ort: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz, Standort Koblenz, Hofstraße 257c, 56077 Koblenz
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • 28.05.2013
    132430401
    Vernetzung als Chance für den Herkunftssprachenunterricht
    Ort: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz, Standort Speyer, Butenschönstraße 2, 67346 Speyer
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • 04.06.2013
    132870610
    Moodle im BWL-Unterricht
    Ort: Berufsbildende Schule III Wirtschaft und Verwaltung Hans-Böckler-Bildungszentrum, Am Judensand 8, 55122 Mainz
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • 10.06.2013
    132870104
    Teamtreffen moodle@rlp zur Weiterentwicklung der didaktischen Potentiale und des Angebots
    Ort: Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Mittlere Bleiche 61, 55116 Mainz
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • 12.06.2013
    131490701
    Medieneinsatz in der Mathematik (Überblick)
    Ort: Berufsbildende Schule Lahnstein, Schulstraße 2-4, 56112 Lahnstein
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • Juni 2013
    132890305
    Implementation und Nutzung einer Moodle-Lernumgebung zur Förderung der Sprachkompetenz Deutsch für die Zielgruppe Bildungsgänge Gesundheit / Soziales
    Ort: Berufsbildende Schule Alice-Salomon-Schule Linz, Am Gestade 9, 53545 Linz am Rhein
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • 2013/I
    132870301
    Online-Kurs zur Funktion der bedingten Verfügbarkeit in moodle
    Ort: online
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • 2013/I
    132870302
    Didaktische Szenarien für online-gestützte Angebote im Rahmen der Lehrerausbildung
    Ort: Kein Ort angegeben.
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • 2013/I
    132870601
    Die Funktion der bedingten Verfügbarkeit in moodle für didaktische Szenarien -
    Ort: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz, Standort Koblenz, Hofstraße 257c, 56077 Koblenz
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
  • 2013/I
    132870608
    Nutzung von moodle für Fortbildung und Beratung
    Ort: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz, Standort Koblenz, Hofstraße 257c, 56077 Koblenz
    Anbieter: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz
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Aus der Praxis - für die Praxis: "moodle" am Gymnasium Hermeskeil

Online lernen und zusammenarbeiten am Gymnasium Hermeskeil

Von Christoph Uhrhan

                   Zahlen und Fakten

Moodle ist in vieler Munde und doch nicht überall bekannt.

Es ist eine Software auf Open-Source-Basis, die eine Lernplattform und damit Möglichkeiten zur Unterstützung kooperativer Lehr- und Lernmethoden bietet. Am Gymnasium ist sie seit 2004 im Einsatz. Zunächst war die Software nur auf dem Schulserver installiert und daher auch nur aus dem Schulnetz heraus (also während des Unterrichts) nutzbar. Seit 2006 läuft die Moodle-Installation auf einem angemieteten externen Server, so dass Schüler und Lehrer auch von zuhause auf dieses Angebot zugreifen können. Dieser Umzug hat zu einem entscheidenden Mehrwert von Moodle geführt, wie im weiteren Verlauf dieses Artikels klar werden wird.

Grundsätzlich werden alle Schüler als Benutzer in Moodle eingerichtet, so dass wir im Moment 1223 Nutzer in 119 Kursen haben. Ehemalige Schülerinnen und Schüler verbleiben als Nutzer im Moodle-System.

                   Anwendungsfälle

 

Wie man der Abbildung entnehmen kann, hat sich Moodle an unserer Schule mittlerweile zu einer Plattform entwickelt, die einen festen Platz in vielen Bereichen schulischen Miteinanders einnimmt. Natürlich stellt dabei der Unterricht – der klassische Anwendungsfall der Lernplattform – den Löwenanteil der Nutzung.

Da dieser Anwendungsfall in jeder Einführung in Moodle ausführlicher dargestellt wird, als es ein einzelner Artikel erlaubt, möchte ich hier bewusst einmal einen Anwendungsfall aus einem anderen Bereich vorstellen, um die Vorteile und positiven Effekte von Moodle herauszustellen.

                   Die Planung einer Klassenfahrt

Als vor zwei Jahren für die Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse, in der ich Klassenleiter war, die Klassenfahrt nach Berlin anstand, fing ab Mitte September jede Stunde mit der Frage an: “Können wir über die Klassenfahrt sprechen?“, obwohl die Klassenfahrt erst für Mai geplant war und ich zu diesem Zeitpunkt bis auf die Unterkunft noch keine detaillierteren Planungen gemacht hatte.

Also richtete ich in dem Moodle-Kurs meiner Klasse, der bereits für das Fach Mathematik angelegt war, ein Thema 'Klassenfahrt' mit folgenden Bestandteilen an:

·        Foren für die Auswahl von Programmpunkten und für das Planungsteam für das obligatorische T-Shirt.

·        Abstimmungen für einzelne Programmpunkte, die ich bereits geplant hatte.

·        Verweise auf die Web-Seite der Unterkunft und (im späteren Verlauf) Dokumente mit wichtigen Informationen wie der Elternbrief, Termine und wichtige Telefonnummern.

Was zunächst eher aus der Not heraus geboren war, erwies sich im weiteren Verlauf als  Glücksgriff, und das gleich in mehreren Hinsichten.

                        Organisatorische Hilfe und Entlastung der Lehrkraft

In den darauf folgenden Wochen nutzten die Schülerinnen und Schüler die Foren intensiv. Durch diese Verlagerung der Diskussion auf die Lernplattform war also mein Unterricht davon entlastet.  Außerdem konnte ich in unregelmäßigen Abständen (wiederum wie es meine Zeit erlaubte) die Forumsbeiträge durchlesen und mich selbst auf den neuesten Stand bringen. 

Diese Abkopplung vom Unterricht und von der starren Rhythmisierung des Schulvormittags war sehr entlastend. Natürlich musste in der Endphase der Vorbereitungen dennoch während der Unterrichtszeit und im Klassenplenum über die Fahrt diskutiert werden, aber viele Details waren nun entweder bereits geplant und beschlossen oder eben abgelehnt worden, ohne dass dafür Unterrichtszeit in Anspruch genommen wurde.

Die Informationen, die ich als Dokumente und Links in Moodle bereitgestellt hatte, empfanden die Schüler und vor allem die Eltern als willkommenen Service, der für mich mit minimalem Aufwand verbunden war. 

                        Ausbildung von Medienkompetenz

Alle Mitglieder der Lerngruppe haben das Angebot angenommen und sich am Planungsprozess mit Hilfe der Lernplattform beteiligt. Gerade leistungsschwächere Schüler, die sonst im Unterricht weniger Initiative zeigen und sich dementsprechend in den unterrichtsbezogenen Moodle-Kursen weniger engagieren, haben hier im Hinblick auf die Nutzung moderner Medien profitiert.

Forumsbeiträge, die in Form oder Inhalt unpassend waren, boten die Möglichkeit, über 'Netiquette' oder das Verhalten in Internet-Foren zu sprechen. Dies waren Anlässe, Lernziele der Medienkompetenzbildung zu verfolgen, zumal sie aus einer konkreten Anwendung heraus organisch gewachsen waren. Dies ist allemal fruchtbarer, als sie im Unterricht anhand von Fallbeispielen zu thematisieren.

                        Soziale Aspekte und Förderung der Schulgemeinschaft

Im Laufe der Planung war das Besuchen des Moodle-Kurses, das 'Nachschauen, ob es was Neues gibt', ein fester Bestandteil der Internet-Nutzung meiner Schülerinnen und Schüler. Der  Planungsprozess war sehr schülerzentriert und selbstorganisiert, was im Übrigen dazu geführt hat, dass das Programm und die Zeitplanung während der Fahrt nicht angezweifelt oder kritisiert wurden.

Insgesamt hat das Angebot in Moodle dazu geführt, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit schulischen Belangen und dem sozialen Miteinander auseinandersetzten, und das außerhalb der Schulzeit und außerhalb des Schulgeländes. Das virtuelle Klassenzimmer in Moodle wurde sehr stark mit der Klasse und vor allem mit der Klassengemeinschaft identifiziert.

                   Zusammenfassung

Dieser Anwendungsfall steht exemplarisch für die vielen anderen Szenarien, in denen Moodle an unserer Schule mittlerweile zum Einsatz kommt. Die zeitliche Abkopplung vom Schulvormittag und die Möglichkeiten, die Moodle für die Organisation von (Lern-)Gruppen bietet, sind Aspekte, die sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerinnen und Lehrer schätzen gelernt haben. Gleichzeitig wird die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler gestärkt, und  es können Inhalte der Medienerziehung am konkreten Fall thematisiert werden. Ganz nebenbei wird die Schule mit Hilfe von Moodle zum gelebten 'Social Network'. Diese Vorteile überwiegen nach unserer Erfahrung bei weitem den Aufwand für die Installation und Administration der Software.

„Unterricht 2.0?“ - Digitale Lernwelten auf dem Prüfstand

EIN INTERVIEW MIT DR. JOCHEN HETTINGER, LMZ BADEN-WÜRTTEMBERG, EXPERTE FÜR E-LEARNING

E-Learning – Blended Learning – webbasierte Lehr-Lernszenarien – Learning Management Systeme für Schulen … bereits seit geraumer Zeit tauchen diese Schlagworte regelmäßig im Zuge bildungspolitischer Diskussionen auf. Insbesondere, wenn es um individualisiertes, Kompetenz orientiertes oder kooperatives Lernen geht, werden elektronisch unterstützte Lehr-Lern-Szenarien oft als DIE Lösung für viele Probleme „konventionellen“ Unterrichts angeführt.

 

Doch was steckt genau dahinter?

Wo liegen Potenziale, Einschränkungen - eventuell sogar Risiken?

 

Um uns dem Thema aus der Sicht der Alltagspraxis nähern und den Dingen auf den Grund gehen zu können, haben wir Lehrerinnen und Lehrer gebeten, uns genau die Fragen zukommen zu lassen, die sie – und damit möglicherweise auch Sie! – am meisten beschäftigen.

 

 

Zur Einführung:

Zwei kurze Fragen – zwei kurze Antworten:

 

„E-Learning“, „Blended-Learning“… – Was ist das eigentlich ?

 

E-Learning ist eine besondere Form des computergestützten Lernens. Charakteristisch dafür ist, dass die genutzten Lernsysteme und –materialien in digitalisierter Form dargeboten werden und sich durch Multi- und/oder Hypermedialität auszeichnen. Sie unterstützen die Interaktivität zwischen dem Lernenden, dem technischen System, dem Lehrenden sowie den Mitlernenden und sind online für die Nutzerinnen und Nutzer verfügbar. In der Regel werden für das E-Learning sogenannte „Learning-Management-Systeme“ eingesetzt, die auf einem zentralen Server im Internet (oder auch an der eigenen Schule) installiert sind und die für registrierte Benutzer den Zugang zu den Lernmaterialien und Lernangeboten (Kursen) ermöglichen.

 

Mit dem Begriff „blended learning“ wird eine Form des E-Learnings bezeichnet, bei der Präsenzphasen und online-gestützte Phasen abwechseln. So können z. B. Aufgabenstellungen, die im Unterricht erarbeitet werden, zu Hause, zu anderen Zeiten und an anderen Lernorten weiter bearbeitet werden. Diese Arbeitsergebnisse lassen sich dann als Vorbereitung für die nächste Präsenzphase nutzen, z. B. wenn Schülergruppen arbeitsteilig Themen bearbeiten und ihre Ergebnisse dann mit Hilfe der online verfügbaren Medien und Materialien anderen Gruppen in der Klasse präsentieren

 

 

Brauchen die Schülerinnen und Schüler das später überhaupt?

 

E-Learning ist heute in der beruflichen und betrieblichen Aus- und Weiterbildung gang und gäbe. An der Universität werden in großem Umfang Lernmanagement-Systeme eingesetzt. Und für die eigene berufliche und allgemeine Weiterbildung wird E-Learning immer wichtiger. Lebenslanges Lernen ist kein Schlagwort mehr, sondern Realität. Wer „E-Learning gelernt hat“, wenn man das so sagen kann, der hat es später entschieden einfacher, diese Angebote gezielt zu nutzen.

 

 

Zur Vertiefung:

Darf´s ein bisschen mehr sein?

 

 

Welche innovativen Möglichkeiten ergeben sich ganz konkret durch E-Learning-Szenarien für die Gestaltung des Unterrichts?

 

Im Wesentlichen lassen sich drei Formen des Einsatzes von E-Learning im Unterricht unterscheiden:

 

  1. E-Learning kann in einzelnen Unterrichtsphasen unterstützend eingesetzt werden, z. B. als Vorbereitung für eine Prüfung oder zum Üben bestimmter Fertigkeiten. Häufig werden E-Learning-Kurse auch einfach als Möglichkeit genutzt, Materialien online bereit zu stellen, die von den Schülern dann bearbeitet werden.
  2. E-Learning kann aber auch zu einem tragenden Prinzip von Unterricht werden, etwa wenn Schüler ganze Kurse weitgehend selbständig bearbeiten oder wenn wesentliche Teile des Unterrichts als E-Learning gestaltet werden.
  3. Schließlich kann E-Learning auch weitgehend als „Telelernen“ organisiert werden, das von sog. „Teletutoren“ unterstützt und begleitet wird.

 

In jeder dieser drei Organisationsformen bietet E-Learning spezifische Vorteile. Die Lehrkraft wird – was die Bereitstellung der Unterrichtsmaterialien angeht - von organisatorischen Aufgaben entlastet und kann sich auf die Beratung und Begleitung der Schülerinnen und Schüler konzentrieren. Gruppenarbeit, innere Differenzierung und Individualisierung werden in besonderem Maße unterstützt. Neben den online angebotenen Unterrichtsmedien steht den Lernenden jederzeit das Internet als Informationsqualle zur Verfügung. Der Austausch untereinander, mit der Lehrkraft und mit anderen Personen (etwa externen Experten oder Schülern einer anderen Schule) ist vergleichsweise einfach zu organisieren. Schüler können ihre Ergebnisse in sogenannten e-Portfolios im Lernmanangement-System dokumentieren. Lehrkräfte können sich jederzeit einen differenzierten Überblick über die Schüleraktivitäten und -leistungen verschaffen. Online-Kurse können den eigenen Bedürfnissen angepasst, ergänzt oder auch selbst erstellt werden. Werden sie über mehrere Jahre und möglicherweise von mehreren Lehrkräften im Team genutzt, kann sich eine wesentliche Arbeitserleichterung und Zeitersparnis ergeben.

 

 

Welches genau sind aus Ihrer Sicht die ganz konkreten Vorteile und der sogenannte „Mehrwert“, z.B. mit Blick auf die geforderte Kompetenz- und Schülerorientierung zeitgemäßen Unterrichts?

 

Ein wesentliches Merkmal guten Unterrichts ist es, dass Schülerinnen und Schüler interessiert und konzentriert lernen, dass ihre Fähigkeiten, den eigenen Lernprozess zu organisieren, gefördert werden, und dass sie die für sie passenden Lernangebote erhalten. E-Learning kann dieses Ziel unterstützen und dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schülern wesentliche Kompetenzen gerade auch in methodischer Hinsicht erwerben können, dass sie den Verlauf des Unterrichts selbst mitgestalten und sich mit ihre unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen können. Sie können mit sehr einfachen Mitteln die Ergebnisse ihres Lernens als mediale „Produkte“ darstellen (z. B. ein Glossar zu wichtigen Begriffen eines Themas entwickeln, eine kommentierte Linkliste erstellen oder eine digitale Präsentation erarbeiten) und diese ihren Mitschülern zur Verfügung stellen.

 

 

 

Welche Kompetenzen müssen Lehrerinnen und Lehrer mitbringen, die E-Learning im  - und begleitend zum - Unterricht einsetzen möchten?

 

Learning by doing ist eine gute Methode. Leichter ist es natürlich, wenn man neben grundlegenden Kenntnissen über Computer und Internet auch weiß, wie man Medien selbst erstellen kann (eine digitale Präsentation, Bilder und Fotos bearbeiten, eine Audiodatei aufnehmen und bearbeiten etc.). Ich glaube aber, dass sich die Handhabung relativ leicht erlernen lässt. Wichtiger scheinen mir medienpädagogische Kompetenzen: Medien zum Lernen auswählen können, ihre Funktion im Lernprozess bestimmen, sie gezielt einsetzen und mediengestütztes Lernen begleiten, unterstützen und bewerten zu können. Auch wenn Neugier und Frustrationstoleranz keine „Kompetenzen“ im eigentlichen Sinne sind: man sollte sie auf jeden Fall mitbringen, weil es natürlich immer auch irgendwelche Schwierigkeiten gibt und nicht gleich alles auf Anhieb gelingen wird.

 

 

Und: Können wir das erforderliche Maß an Selbstdisziplin und Selbstlernkompetenz von der heutigen Schülergeneration überhaupt erwarten?

 

Ja, ganz sicher. Wenn Schüler im Unterricht verantwortliche Rollen übernehmen, aktiv beteiligt sind, spannende Aufgaben lösen oder eigene „Werke“ erstellen können, sind sie in der Regel ganz bei der Sache. Natürlich ist E-Learning keine motivationale Wundertüte, die alle plötzlich zu begeisterten Lernern macht. Lernen bleibt weiterhin Arbeit, auch wenn immer wieder behauptet wird, man könne mit Medien das Lernen spielerisch gestalten. Allerdings ist es wichtig, das Arbeiten mit E-Learning-Angeboten systematisch zu üben: sich in dem Angebot orientieren, die angebotenen Hilfen nutzen, Aufgabenstellungen verstehen, Lösungsstrategien entwickeln und die eigene Lernaktivität steuern sind „Selbstlernkompetenzen“, ohne die E-Learning nicht funktionieren kann.

 

 

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen „normalem Präsenzunterricht“ und E-Learning?

 

E-Learning kann den Präsenzunterricht ergänzen, zusätzliche und erweiterte Lernmöglichkeiten schaffen – aber es kann und soll ihn niemals ersetzen. Wichtig ist die „intelligente Koppelung“ beider Formen der Lernorganisation.

 

 

 

Können E-Learning-Systeme auch einen Beitrag zur Schulentwicklung leisten? Inwiefern?

 

Das Verhältnis von Schulentwicklung und E-Learning ist wechselseitig: zum einen wird die Einführung von E-Learning durch einen oder einige wenige Pioniere an einer Schule kaum erfolgreich sein, sie sollte vielmehr von Anfang an gemeinsam mit der Schulleitung von einem damit beauftragten Lehrerteam geplant und organisiert werden. Schulentwicklung ist also in gewissem Sinn die Voraussetzung von E-Learning. Sie kann aber auch durch E-Learning unterstützt werden, und zwar in allen drei „klassischen“ Bereichen der Schulentwicklung: Personal-, Organisations- und Unterrichtsentwicklung. So können z. B. schulinterne Fortbildungsveranstaltungen als „blended learning“ angeboten werden, wobei die Inhalte und Ergebnisse über ein Learning-Management-System auch für die unterrichtliche Verwendung unmittelbar verfügbar sind, E-Learning-Werkzeuge können die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften (und der Schulleitung) unterstützen und sie bieten erweiterte Möglichkeiten für den Unterricht.

 

 

Wie könnte man der auf dem Markt herrschenden Materialienflut begegnen, um Lehrerinnen und Lehrer das alltägliche Handeln zu erleichtern?

 

Ideal wäre es, wenn Lehrkräfte anhand der Bildungsplanvorgaben in einem Medienpool recherchieren und sich die benötigten Medien sofort herunterladen oder bei ihrem Medienzentrum buchen könnten. Die dort angebotenen Medien sollten nach fachlich-inhaltlichen und pädagogisch-didaktischen Kriterien geprüft und ausgewählt werden. Optimal wäre es, wenn Lehrer sich eigene digitale Materialsammlungen anlegen und gemeinsam mit anderen Lehrkräften verwenden und erweitern würden.

 

 

Zum Weiterdenken: Vorbehalte und Problemstellungen:

„Ich würde ja gerne, ABER……“

Ich glaube,  Schule ist nicht der geeignete Ort für E-Learning. Das ist doch eher etwas für die nebenberufliche Fort- und Weiterbildung!

 

Lernen hat etwas mit geistiger Arbeit zu tun, man muss Informationen sammeln, bewerten und bearbeiten, recherchieren, exzerpieren, üben, ausprobieren, anwenden und eigene Lernergebnisse und Produkte gestalten. E-Learning kann Werkzeuge dafür bereit stellen, einen Rahmen und einen Raum für das Lernen schaffen (eine „vorbereitete Umgebung“, wie man mit Maria Montessori sagen könnte). Das ist meines Erachtens keine Frage des Alters oder der Schulstufe. So haben die Erfahrungen aus vielen Grundschulprojekten gezeigt, dass Kinder bereits ab dem 3. und 4. Schuljahr sinnvoll mit Lernmanagementsystemen arbeiten können.

 

 

Warum sollte sich Schule, als ein Ort persönlicher Begegnung, auf elektronische Lernwege einlassen? Persönliche Kommunikation geht doch über alles!

 

Natürlich ist die persönliche Kommunikation das Entscheidende. Aber jeder Lehrer weiß, dass er nicht mit allen seinen Schülern zugleich reden kann. Oft sind es nur wenige, die im Unterricht zu Wort kommen. Da kann E-Learning eine Hilfe sein.

 

 

Ich habe das Gefühl, dass man bei E-Learning mehr Zeit einsetzen muss als beim herkömmlichen Lernen. Diese Zeit fehlt uns ganz einfach. Immer mehr Anforderungen stürmen auf uns Lehrkräfte herein. Wo ist für mich die Entlastung?

 

Die Entlastung tritt dann ein, wenn man auf ein bewährtes Repertoire an Kursen und Lernmaterialien zurückgreifen kann, und wenn die Schülerinnen und Schüler gelernt haben, weitgehend selbständig mit den Lernangeboten zu arbeiten.

 

 

Warum sollte ich mich auf E-Learning überhaupt einlassen? Mein Unterricht kam bislang auch ohne aus - und war hervorragend!

 

Für mich sind es drei Argumente, die hier wichtig sind: zum einen geht es heute nicht mehr ohne Medienkompetenz und Medienbildung – die Schule hat da eine Aufgabe zu übernehmen, der sie sich nicht entziehen kann, wenn sie für das Leben qualifizieren will. E-Learning trägt zur Medienbildung, zur sinnvollen Mediennutzung ganz entscheidend bei. Das zweite Argument ist: Medien gehören zum Lehren und Lernen einfach dazu – zur Veranschaulichung, Präsentation, Information, zum Aufgaben stellen und Lösen, zum Üben, Gestalten und Kommunizieren. Die neuen digitalen Medien bieten dabei Möglichkeiten, die über Tafel und Schulbuch weit hinausgehen. Insbesondere können sie zu Werkzeugen in der Hand der Schüler werden. Und schließlich hat E-Learning das Potential, die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Entscheidend dafür ist dabei allerdings das didaktisch-methodische Wissen und Können der Lehrerinnen und Lehrer.

 

 

E-Learning an unserer Schule halte ich nicht für machbar. Zu wenige PCs für zu viele Schüler -  bei uns ist nur selten ein PC-Raum frei!

 

Ohne Computer geht es nicht, das ist richtig. Die sollten vermehrt nicht nur in PC-Räumen zu finden sein, sondern auch in den Klassen- und Fachunterrichtsräumen. Auch mobile Lösungen kommen in Frage. Im europäischen Vergleich liegt die Computer-Schüler-Relation in Deutschland unter dem Durchschnitt. Allerdings haben viele Schulträger heute erkannt, dass neue Technologien in die Schule gehören, und stehen entsprechenden, wohlbegründeten Forderungen nicht abwehrend gegenüber. Sehr hilfreich ist dabei ein Medienentwicklungsplan für die Schule, der genau aufzeigt, wie die Medien eingesetzt werden sollen.

 

 

 

Außerdem: Bei einer Klassenstärke von 30 Schülern und einer Standard-PC-Raumgröße von 15 bzw. 20 PC-Arbeitsplätzen kann nicht jeder individuell arbeiten.

 

„Individuell arbeiten“ heißt ja nicht, dass alle zur gleichen Zeit dasselbe tun. Sicherlich ist es sinnvoll, grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit dem Computer im Klassenverband zu vermitteln, aber das Lernen mit PC und Internet kann in ganz unterschiedlichen, flexiblen Formen erfolgen. Gerade dann macht es ja auch Sinn.

 

 

Werden für Schülerinnen und Schüler durch den Einsatz komplexer Technik nicht noch zusätzliche Hürden aufgebaut?

 

Technik begleitet die Schülerinnen und Schüler heutzutage auf Schritt und Tritt, viele nutzen sie begeistert und intensiv, wie die aktuellen Studien des medienpädagogischen Forschungsverbundes belegen. Wenn Technik nicht zum Selbstzweck wird, stellt sie heute meiner Meinung nach keine Hürde mehr dar. Auch für Mädchen übrigens nicht, die eher „gebrauchswert-orientiert“ mit technischen Werkzeugen umgehen.

 

 

Ein weiteres Problem im Zusammenhang damit: Urheberrechtsverletzungen! Ich habe „Bauchschmerzen“, wenn ich Bilder, Texte oder Videos im Unterricht einsetzen möchte. Dann lasse ich lieber gleich die Finger davon!

 

Viele Medien werden heutzutage als „freie Inhalte“ im Internet unter einer sogenannten „creative commons“-Lizenz angeboten. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Wikipedia. Auch über Google kann man gezielt nach „freien Inhalten“ suchen. Auf der sicheren Seite ist man immer mit den Medien der Medienzentren und des Landesmedienzentrums – die sind urheberrechtlich abgeklärt und können ohne Bedenken im Unterricht genutzt werden (nicht jedoch auf der Homepage oder in anderen frei zugänglichen Internetangeboten). Im Rahmen des Gesamtvertrags zwischen der Kultusministerkonferenz und der Verwertungsgesellschaft Wort vom 26.6.2007 zur Abgeltung von Vergütungsansprüchen nach § 52 a Urheberrechtsgesetz können Schulen urheberrechtlich geschützte Werke bzw. Werkteile in ihrem Intranet nutzen. Wichtig ist dabei, dass die Werkteile, Beiträge usw. nur der jeweiligen Klasse bzw. dem jeweiligen Kurs zugänglich gemacht werden. (z. B. durch die Einrichtung von passwortgeschützten Zugängen).

 

 

Zum Ausblick:

Hier ist auch Raum für Visionen!

 

 

Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht die Perspektiven für die elektronischen Formen des Lehrens und Lernens?

 

In zehn bis zwanzig Jahren wird das zum Alltag an deutschen Schulen gehören. Diese Entwicklung lässt sich nicht aufhalten, weil medienfreier Unterricht in einer Medien- und Wissensgesellschaft einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Allerdings dürfen die Schulen bei der Bewältigung dieser Herausforderung nicht allein gelassen werden. Ohne Lehrerfortbildung, pädagogische und technische Unterstützung, Beratung und vor allem auch ohne ein angemessenes Medienangebot sind die Schulen überfordert.

 

 

Was wünschen Sie sich selbst?

 

Mein Anliegen ist die Medienbildung: die Bildung mit Medien, über Medien und als Bildung in einer von Medien bestimmten Welt. E-Learning gehört für mich dazu. Wenn Schulen die Medienbildung als ihre Aufgabe und Verpflichtung erkennen und sich dieser Herausforderung stellen, haben wir viel gewonnen. Eine Bildung ohne Medien kann heute keine Allgemeinbildung mehr sein. Genau um dieses Anliegen einer allgemeinen praktischen, persönlichen und politischen (Medien-)Bildung geht es mir.

 

 

 

 

Angaben zum Interviewpartner:

Dr. Jochen Hettinger, Abteilungsleiter Querschnittsbereich des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg, Ausbildung als Diplompädagoge (Sonderpädagogik und Medienpädagogik), Projektleiter der Medienoffensive Schule II des Kultusministeriums Baden-Württemberg (2003 – 2008), aktuelle Arbeitsschwerpunkte u. a. schulische Medienbildung, E-Learning, Praxisevaluation und Projektmanangement. Autor mehrerer Veröffentlichungen zum Thema „Medien und Schule“, z. B. „E-Learning in der Schule“, München 2008.

 

 

 

 

 

Diesen Bereich betreut E-Mail an Andrea Müller-Goebel. Letzte Änderung dieser Seite am 18. April 2013. ©1996-2013 Bildungsserver Rheinland-Pfalz